am 07. April, 2010 06:22 Uhr 1

wwww (warum wir Weiblichen warten)

Ich habe heute (endlich!) eine Erklärung dafür gefunden, warum Männer sich mit dem Heiratsantrag soooo lange Zeit lassen (mit Dank an Mr Perfect aus dem Forum nebenan).

Ein Heiratsantrag ist ein großes logistisches Unterfangen für das der Antragsplanende 3 bis 4 Monate Zeit braucht. Drei Monate ab der Entscheidung einen Heiratsantrag zu machen. Das geht nicht so schnell.
Die Antragswütige mag darauf antworten:

“Schutzbehauptung! Stimmt doch gar nicht – son Ring ist schnell gekauft – Essen gehen zack zack – Gefühle ausgepackt – fertig!”

Aber die Heiratswütige irrt. Der Antragsplaner sieht sich plötzlich mit vielen Parametern konfrontiert von denen er vielleicht gehört hat, sie aber noch nie durchdacht hat. Der Ring muss an den Finger passen. Was für Nuten, Wasseranschlüsse und Radmuttern gilt, gilt auch für den Verlobungsring – soweit klar. Aber leider ist ein Finger nicht industriell genormt und trägt keine DIN Nummer.
Die Ringgröße zu ermitteln ist für den Antragsplaner also schon mal schwierig: Selbst der Griff in die Schmuckschatulle der Heiratswütigen bringt nicht immer die gewünschten Ergebnisse (Ich selbst trug einen Ring zum Juwelier, den meine Angebetete am Mittelfinger trägt – nicht am Ringfinger). Ich weiß von verzweifelten Antragsplanern, die Schnüre um die Finger legten und von einem ganz Gewieften, der mit Hilfe von Latex, Gips und in längerer Arbeit einen Komplettabguss der Hand seiner Angebeteten erstellte, einen Zweiten, der während sie schlief einen Wachsabdruck machen wollte, und einen Dritten, der versuchte das Ganze mit Plastigrohren im Baumarkt zu vergleichen. Lange Rede kurzer Sinn. Alleine für die Ringgröße kann bis zu einer Woche Planungsphase draufgehen.

“Gut eine Woche! Dann aber sofort den Antrag. Ab ins Geschäft aussuchen und Rumms! AAAANTRAG!”

Auch hier irrt die Heiratswütige. Nein, der Ring wird in der Regel sorgfältig ausgesucht. Etwa so sorgfältig wie der Webervogel sein Nest baut. Der Ring erfüllt schließlich mehrere Zwecke. Erstens er soll gewogen machen. Schau, ich weiß was dir gefällt. Zweitens: er soll beeindrucken: Schau, so toll glitzert der. Und drittens er soll Sicherheit geben: ich kann mir den Ring leisten, dann kann ich mir auch dich leisten.

“Blödsinn! Kaugummiautomat gibts auch Ringe – das ist ebenso romantisch stürmich und vor allem SCHNEEELLLLL!”

Ja, richtig – jugendliche Leidenschaft ist auch ein Wert mit der man beeindrucken kann. Für alle die aber zögerliche Liebhaber haben, die alles richtig machen wollen – oder glauben sie müssen alles richtig machen, die finden sich im Irrgarten der Juweliere wieder.
Silber, Platin, Weißgold, Gelbgold, Palladium, mit Stein, Spannringe, offene Fassung, geschlossene Fassung, Schliff, Klarheit, Färbung, Gravuren und Änderungen, gebürstet, poliert, blombiert.
Das sind alles Entscheidungen die gegeneinander abgewogen werden wollen und bei einem meist doch recht stolzen Preis macht der Antragsplaner sich das Leben recht schwer. Außerdem braucht man Zeit für die Recherche. Selbst unter Hochdruck also 2 Wochen bis zur Entscheidung welchen Ring man nimmt.

“Gut, also drei Wochen! Dann aber wird gefragt! her mit dem Ring!

Der Ring muss in der Regel geändert und graviert werden. 2 Wochen! Damit ist die Monatsgrenze überschritten. Wenn ein Diamant ins Spiel kommt wird es wesentlich komplizierter. Wie viel Karat, welches Verhältnis zu den Krabben, zur Fassung, zum Reif… Eventuell muss dann noch auf der Diamantenbörse gesucht und gekauft werden. Das kann bis zu 8 Wochen dauern.

“*Schock* ACHT! Dann nimmt er halt einen Diamanten der da ist! Er soll mir nur den Sch***** Ring an den Finger stecken!”

Selbst ohne Diamantenwarteschleife dauert die Ringsuche also knapp 1 bis 2 Monate. (Wir nehmen also 7 Wochen an)
Damit ist aber das Geld für den Ring noch nicht verdient. Ein wenig hat man ja in der Regel auf der hohen Kante aber einen Monat sparen – das kommt meistens dazu – vielleicht plant der Antragsplaner ja einen kleinen Kurzurlaub, ein Wochenende im Wellnesshotel oder auch nur eine leckeres Essen, dafür.
Sparzeit also nochmal 4 Wochen, dann wären wir bei 11.

“Ihr Männer spinnt doch! Ich sag doch es reicht ein Kaufhausring. Ich nehm sogar ein verknotetes Gänseblümchen. Ich will doch nur heiraten. Der Ring ist mir schnurzpiepegal -Der Mann muss zu mir passen nicht der Ring”

Weise Worte, aber die Heiratswütige hat unrecht. Der Ringkauf ist ein Ritual. Der Mann stellt sich bei jedem Juwelier und bei jedem Goldschmied als Verlobungsplaner vor. “Hallo, ich will meine Freundin fragen, ob sie mich heiratet. Ich will ihr einen Antrag machen. Ich suche was passendes für ne Verlobung, u.ä” In dem Moment beginnt er sich von seinem Jungesellenleben endgültig zu verabschieden. Je öfter er den Satz sagt, desto unkomischer klingt er und je mehr das seltsame, flaue Gefühl verschwindet, desto mehr Sicherheit gewinnt der Antragsplaner. Diese Sicherheit benötigt er auch.

“WAAAS Ich muss immer noch warten, weil er zu doof ist sich bei nem Juwelier richtig vorzustellen? Oh HIMMEL ich dachte FRAUEN sind gefühlsgesteuert. Aber wenn er doch schon beim Juwelier ist warum hab ich noch nichts am Finger glitzern? Warum! Warum Warum!”

Nun, nachdem der Mann seine Sicherheit, Geld und Ringparameterentscheidungen gesammelt hat, kommt der große Moment.
Das heißt der Mann wartet dass der Moment kommt.

“Was, er wartet jetzt. Er plant 11 Wochen und dann beginnt er erstmal zu warten?”

Richtig. Entweder wartet er auf einen Moment in dem er sich mit der hoffentlich Heiratswütigen verbunden fühlt, um dann mit seiner gesammelten Sicherheit, seine Angst einen Korb zu kassieren, zu überwinden (oder andere Versagensängste).
Oder er beginnt den perfekten Moment zu planen und zu inszenieren. (Wenn nötig mit Kai Pflaume – aber das dauert dann noch länger)

“OH NEIN! Nicht KAI Pflaume! Bitte nicht! Dann muss ich noch länger warten”

Ja, ich fürchte unter drei Monaten ist es wirklich schwer.

“Ich will endlich HEIRATEN!!!”

Man – bin ich froh, dass ich das alles schon hinter mir habe ;)

Eingeordnet unter Hochzeit

One Response to “wwww (warum wir Weiblichen warten)”

  1. Michael sagt:

    Ich kann den Mann gut verstehen. Auch wenn es bei mir nicht genau so abgelaufen ist ;)

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